Abwrackprämie
 

              Dieser Bericht soll vor allem zum Nachdenken anregen

       Abwrackprämie


               Ein alter Trabant auf einem Schrottplatz

Aufgrund der Weltwirtschaftskrise versucht die Bundesregierung mit bestimmten Programmen (Konjunkturpaket I und II) der Krise bzw. der Rezession entgegen zu wirken. Ein Punkt des Konjunktur-II-Paketes wäre die „Abwrack-“ oder (offiziell genannte) „Umweltprämie“.
Bei diesem Programmpunkt soll der Absatz von Neufahrzeugen gefördert werden. Die „Abwrackprämie“ kommt also der Automobilindustrie zu Gute, der am Stärksten von der Krise betroffenen Branche. 
Diese Prämie erhalt jeder, der schon mindestens ein Jahr lang einen vor dem 14.01.2000 auf sich zugelassenen PKW (auch SUVs und Wohnmobile) in Deutschland besitzt und bereit ist, sich einen Neuwagen bzw. einen Einjahreswagen mit vorheriger Händlerzulassung anzuschaffen. 
Kommt ein Kaufvertrag eines neuen Euro4-Fahrzeuges zu Stande, so erhält der Käufer von dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bei nachgewiesener Verschrottung seines Altfahrzeuges eine Auszahlung von 2500 Euro.
Ein entsprechender Antrag kann über den Kfz-Händler oder ab dem 27.01.09 direkt über die BAFA eingereicht werden.
Geplant war, dass die Prämie so lange ausgezahlt wird, bis die dafür bereitgestellten Mittel von 1,5 Mrd. Euro aufgebraucht sind, spätestens jedoch bis zum 31.12.2009. 

Schon Tage nach Bekanntgabe der Rahmenbedingungen der „Umweltprämie“ verzeichnen die Automobilhändler wieder einen Anstieg ihrer Absatzzahlen. Das Konzept scheint zu funktionieren und die knapp zehn Jahre alten Fahrzeuge werden gegen neuere, umweltfreundlichere Autos eingetauscht.
Doch stellt man nun die rhetorische Frage, wie kaputt zehn Jahre alte Autos wirklich sind.
Viele der Autos, die eine einigermaßen nachzuvollziehende Historie aufweisen und das vorgegebene Alter haben, um die Auszahlung der 2500 Euro zu bewirken und danach verschrottet werden, befinden sich in einem noch einwandfreien technischen und optischen Zustand. Sie würden in diesem Zustand noch Jahre lang weiterfahren, zudem besitzen sie schon die aktuellen Umweltstandards der Euro3 oder 4.

Und unter bestimmten Ansichtpunkten scheint das Weiterfahren des Altfahrzeuges umweltfreundlicher zu sein, als die so genannte „Umweltprämie“ mit all seinen Vorgaben in Anspruch zu nehmen.
Die einzige Vorgabe für den Erhalt der "Umweltprämie" bei einem Neu- oder Jahreswagen muss die Euro4-Norm sein. Der Co2-Ausstoß des Fahrzeuges wird nicht berücksichtigt.
Doch auch das scheint kein zuverlässiges Kriterium zu sein. Es ist nämlich vor kurzer Zeit die These aufgetaucht, ein „Hummer“ sei umweltfreundlicher als ein „Toyota Prius“. Grund dafür seien die unterschiedlichen Produktionsverfahren. 
Ein „Hummer“ werde in einer Fabrik hergestellt und zusammengebaut, der Stahl vorher angeschafft und verschiedene Zulieferer brächten die nötigen Teile. Sein Co2-Ausstoss sei fertig montiert zwar größer als beim „Prius“, der seines gesamten Lebenszyklus’ aber nicht. Der „Prius“ werde ähnlich, wenn nicht sogar gleich produziert. Die einzige Ausnahme bilde die Produktion der Batterien für den Elektromotor. Der Stoff der Batterien werde in Amerika gewonnen, zur Aufbereitung (um zur Batterie werden zu können) nach Europa verschifft und anschließend wieder mit dem Schiff nach Asien gebracht, wo es dann verbaut werde. Durch die Schifffahrt quer über den gesamten Globus werde viel mehr Co2 ausgestoßen, als der fertige Wagen dann, dank seines Hybridantriebes, während seines gesamten Daseins, einsparen würde. In Folge dessen sei der „Hummer“ umweltfreundlicher als der „Prius“, so die These.
Würde man jetzt auf dieser These aufbauen, wäre das Weiterfahren des zehn Jahre alten Wagens umweltfreundlicher, als der Kauf eines unter erneutem Energieaufwand produzierten Neuwagens. Hinzu käme noch der erforderliche Energiebedarf der Schrottpresse für das Altfahrzeug. Das man allerdings für 2500 Euro auch keinen Neuwagen erhält, man somit also auch den Differenzbetrag immer noch selbst aufbringen muss, sei hier vorerst nur nebensächlich erwähnt.

Etwas anders hingegen kann man argumentieren, wenn man wirklich von älteren Fahrzeugen spricht. Gerade bei Alltagsfahrzeugen um die 15 Jahre ist mehr Wert auf den technischen Aspekt zu legen. Wir würden zwar sagen, wer die Youngtimer von heute zerstört, zerstört die Oldtimer von morgen, allerdings werden auch noch viele Youngtimer (ab 20 Jahren) und Bald-Youngtimer im Alltag genutzt und weisen aufgrund dessen, bedingt durch Alter und Verschleiß, öfter als neue Autos Mängel bei der Hauptuntersuchung auf. Für viele ist dann der regelmäßige Gang seines Alltagsautos in die Werkstatt eine enorme finanzielle und irgendwann auch eine psychische Belastung. Ein Nachteil ist zudem, dass ältere Autos auch bei den Sicherheitsstandards (natürlich) zurückliegen. Fast jeder Neuwagen beinhaltet serienmäßig ABS, ESP oder Airbags, welche große Hilfen bei Gefahrensituationen sind. Der Rückgang der tödlichen Unfälle in Deutschland lässt sich gerade auf diese verbauten „Extras“ zurückführen. 

Wer auf ein neues Auto, auf das man sich -vorerst- ohne ständige Wartungsarbeiten verlassen muss, angewiesen ist, dem sei nun wirklich geraten, das Angebot der Abwrackprämie anzunehmen und sich ein ganz neues Auto inklusive der Garantieleistungen zu kaufen. Denn leider bringen gerade viele alte Kleinwagen in einem gebrauchten Zustand bei Weitem nicht mehr die von der BAFA angebotenen 2500 Euro. Aufgrund der Pauschalzahlung kann man somit einen finanziellen Vorteil erzielen. Es sei aber dennoch geraten, den Preis seines „Alten“ herauszufinden, denn wie schon gesagt, muss man ja immer noch selbst den Differenzbetrag zwischen Abwrackprämie und Fahrzeugneupreis aufbringen. Ein Vergleichen und Rechnen, ob es nun wirklich ein brand-neuer Wagen sein muss oder ob der „Alte“ nicht sogar mehr als 2500 Euro bringen könnte, lohnt sich allemal.
Zudem macht es aber auch unglaublichen Spaß, im Alltag einen Youngtimer zu bewegen. Mit einem Trabant z.B. erlebt man ein ganz anderes Fahrgefühl als bei neueren Fahrzeugen. Zwar ist er für den Fernverkehr nicht optimal ausgelegt (26PS), allerdings kann man bei einer für das Fahrzeug angepassten Fahrweise in der Stadt extrem günstig und auffällig sein Ziel erreichen. Die Ersatz- und Verschleissteile sind günstig und in hoher Zahl (auch Neuproduktionen) vorhanden. Die billigere Ersatzteilversorgung älterer Autos relativiert zum Teil den im Absatz zuvor genannten Punkt der hohen Werkstattkosten. Wenn man seinen Youngtimer regelmäßig wartet (vieles kann man selbst erledigen) und im Straßenverkehr bewusst vorsichtiger fährt, da ein modernes Bremssystem immer besser sein wird, als ein veraltetes, kann man lange Freude an seinem schönen älteren Fahrzeug haben.

Die „Abwrackprämie“ bot also den Impuls zum Kauf eines Neuwagens, trotzdem war es ratsam, diese Möglichkeit aufgrund der erörterten Tatsachen vorher abzuwägen. 
Im April beschloss allerdings die Bundesregierung, bedingt durch die extrem hohe Nachfrage, die Aufstockung der Mittel für die Prämie von 1,5 auf insgesamt 5 Mrd. Euro! Das Ende der Auszahlung soll weiterhin der 31.12.09 sein. 
Der Vorteil der Erhöhung der Prämie ist ganz klar die weitere Förderung der Automobilwirtschaft während der Krise. 
Leider führt diese Maßnahme zu einer extremen Verzerrung des Marktes. Als deutsches Unternehmen profitiert VW mit seinen günstigen Produkten am meisten von der Prämie, die deutschen Premiumhersteller wie BMW, Mercedes oder gar Porsche nehmen so gut wie gar nicht Abwrackautos zum Tausch gegen ihre Wagen an. Bei anderen Fahrzeugherstellern sieht es ähnlich aus. Firmen mit günstigen Autos setzten mehr mit dem Prämienangebot ab, als die Hersteller mit Fahrzeugen aus dem höheren Preissegment.
Zumal werden Personen, die geplant haben, sich in der nächsten Zeit ein neues Auto zu kaufen, dieses wohl jetzt tun. Die Subventionierung bietet ja den Anreiz und wird durch die auch ab April mögliche "Reservierungsoption" im Internet erleichtert. Hierfür reicht nur der Kaufvertrag, der Rest kann später an die BAFA eingereicht werden. Da aber durch die Prämie schon im März der Gebrauchtwagenmarkt eingebrochen ist, führt die Fortsetzung jener zu keinerlei Erholung dieser Branche bis frühestens Ende 2009. Ebenso sind nun die Schrottplätze zwar mit Ersatzteilen en masse versorgt, leider gibt es keine nennenswerte Nachfrage mehr für die Teile der mindestens neun Jahre alten, abgewrackten Autos, es kommen nur noch mehr dazu.
Des Weiteren decken sich jetzt so viele Bürger mit neuen Kraftfahrzeugen ein, dass sich wohl nächstes Jahr, nach dem Ablauf der "Umweltprämie", niemand mehr ein neues Auto kauft bzw. kaufen muss. 
Die Krise wird dem zufolge verschoben und wohl im Frühjahr 2010 die Automobilbranche erneut schwer treffen.
In weiser Voraussicht rief der Bundeswirtschaftminister Guttenberg kurz nach der Bekanntgabe der Verlängerung der Prämie die Bevölkerung dazu auf, sorgfältig abzuwägen, ob für sich der Anspuch der Prämie tatsächlich von Nöten sei. 
Durch den anhaltenden Ansturm auf die Abwrackprämie ist sie seit dem 02.09.2009 komplett aufgebraucht. Nun wird man sehen, ob die Prämie geholfen hat, die Krise wirklich zu "umgehen" oder ob sie nur verschoben wurde...

Zuletzt im September 09 aktualisiert.  
Quelle/n der Informationen und Fakten zur Abwrackprämie, der Hummer-These und der Guttenbergaussage: Spiegel, SpiegelOnline, Auto-Motor-Sport,  HNA, Oldtimer-Markt, FAZ.net





Kommentare zu dieser Seite:
Kommentar von David, 09.08.2009 um 16:00 (UTC):
Es ist erschreckend, was für gut erhaltende Fahrzeuge auf Kassels Schrottplätzen auf das "Abwracken" warten. Einen guten gebrauchten, günstigen Kleinwagen zu kaufen erweist sich oft als schwierig.



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